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„Auf eine Ausbildung
kann  man stolz sein!“

 

Franz-Xaver Peteranderl, Präsident der Handwerkskammer München und Oberbayern, setzt alle Hebel für den Nachwuchs in Bewegung – und will Angela Merkel in Sachen Diesel sprechen
 

Herr Peteranderl, ein großer Teil Ihrer bisherigen Amtszeit ist mit Bundestagswahlen und Regierungsbildung vergangen. Was sagen Sie zur Neuauflage von Schwarz-Rot?

Eine Jamaika-Koalition wäre vermutlich handwerksfreundlicher gewesen. Dabei wäre sicher der ein oder andere neue Gedanke in die Politik eingeflossen. Grundsätzlich ist es aber nicht entscheidend, wer mit wem regiert. Wichtig ist, dass wir eine stabile Regierung haben, mit der unsere Handwerksbetriebe planen können. Wir brauchen verbindliche Entscheidungen, zum Beispiel zur Erneuerbare-Energien-Umlage oder zum Diesel.

Bleiben wir bei den Azubis: Vor zwei Jahren haben Wirtschaft und Politik die 3+2-Regel beschlossen, nach der Asylbewerber, die eine Lehre anfangen, auf jeden Fall bis zu deren Ende bleiben dürfen und wenn der Ausbildungsbetrieb sie beschäftigt, noch für zwei weitere Jahre. Wird das zuverlässig praktiziert?
Ja, für anerkannte Asylbewerber gilt, dass die Betriebe, sobald sie eine Zusage vom Landratsamt für den jeweiligen Bewerber haben, sich darauf verlassen können, dass er nicht abgeschoben wird. Die Ausbildung kann regulär beendet werden und der künftige Geselle anschließend in demselben Betrieb arbeiten. Das hat uns Innenminister Herrmann versprochen. Wenn es in Einzelfällen Abweichungen gibt, etwa bei geduldeten Asylbewerbern, können sich die betroffenen Betriebe bei den Handwerkskammern melden. Wir versuchen dann, zu vermitteln.

Vielen Bewerbern bleibt der Traumberuf verwehrt, weil ein Hauptschulabschluss nicht reicht…

Tatsächlich haben heute nur noch gut die Hälfte der bayerischen Lehrlinge einen Haupt- oder Mittelschulabschluss. Stattdessen ist der Anteil der Realschulabsolventen von circa 20 Prozent auf rund ein Drittel gestiegen. Das liegt aber nicht daran, dass der Mittelschulabschluss nichts mehr wert ist. Die Betriebe bemängeln vielmehr, dass manche Bewerber nicht die sozialen Kompetenzen oder das handwerkliche Geschick für eine Lehre besitzen. Die Jugendlichen sollten schon in der Lage sein, pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen und motiviert ihre Aufgaben zu erfüllen.

Richard Huber (rechts, mit einem seiner Mitarbeiter) präsentiert ein beeindruckendes Sägeblatt: 180 Zentimeter Edelstahl im Durchmesser, mit extraharten Diamantkronen bestückt.
Foto: Kramer

Wenn es hart auf hart geht

 


Wie operiert man eine Treppe aus einem Haus? Oder sägt einen Balkon ab? In derlei Fällen sind Kernbohr-Betriebe wie der von Richard Huber gefragt

Wer meint, dass Löcherbohren mit einer Schlagbohrmaschine ein Kinderspiel ist, hat sich schwer getäuscht. „Versuchen Sie mal, ein Loch durch eine einhundert Zentimeter dicke Betonwand zu bohren – sie werden sich wundern“, sagt Richard Huber, der Inhaber der Tanderner Spezialfirma KBH. Das Kürzel steht für „Kernbohrungen Huber“.

Wirkt sich die politische Ungewissheit auf die Umsätze aus?

Nein, da spüren wir wenig. Wir haben eine gute Auftragslage, die einiges überdeckt. Das bayerische Handwerk hat 2017 eine Umsatzsteigerung von nominal 4,5 Prozent verzeichnet, die Auftragsbücher sind auf zwei Monate im Voraus voll.

Spürt das Handwerk etwas von einem Rechtsruck, wie er sich im Wahlverhalten gezeigt hat?

Zum Glück überhaupt nicht. Das bayerische Handwerk ist so weltoffen wie die bayerische Bevölkerung. Unsere Betriebe haben ja viele Mitarbeiter mit Migrationshintergrund. Die Meister haben heute Azubis aus Syrien, aus Japan… Und was die Kunden betrifft: Dass jemand einen bestimmten Handwerker anfordert, weil er von hier ist, oder weil er zum Beispiel türkische Wurzeln hat, das kommt immer mal wieder vor. Das hat aber nichts mit dem politischen Klima zu tun.
 

In manchen Branchen gibt es einen erheblichen Mangel an Auszubildenden. Welche Berufe haben das größte Imageproblem?

Das Lebensmittelhandwerk könnte gut mehr Verkäufer und Verkäuferinnen brauchen. Bei den Metzgerlehrlingen hatten wir allerdings zuletzt ein deutliches Plus. Das zeigt: Es ist nicht primär eine Frage des Images, sondern des Bemühens um den Nachwuchs. Natürlich ist der Bewerbermangel ein grundsätzliches Problem. Wir brauchen dringend Maler-, Maurer- oder Anlagenmechaniker-Auszubildende. Wenn diese Lehrstellen frei bleiben, kann das gravierende Folgen haben. In zehn bis 15 Jahren gehen 17 Prozent der Bauhandwerker in Ruhestand, es rücken über die Ausbildung derzeit aber nur fünf Prozent nach. Diese Lücke müssen wir schließen, zum Beispiel durch Zuwanderung oder indem man bestehende Mitarbeiter weiter fortbildet. Dessen muss man sich bewusst sein.

Wie machen Sie jungen Leuten eine Handwerkerausbildung schmackhaft?

Das Handwerk hat klar umrissene Berufsbilder. Die Lehrinhalte sind einheitlich. Der Einzelne kann daraus hinterher eine Menge machen, die Gesellen können nach der Lehre in jedem Betrieb aus diesem Gewerk arbeiten. Viele Hochschulstudiengänge dagegen sind oft so eigenwillig oder spezifisch definiert, dass oft weder der Student noch seine Eltern genau wissen, in welchem Unternehmen er mit seinem Abschluss eine Stelle antreten kann. Deshalb gibt es auch viele Studien-Abbrecher. Eine duale Ausbildung eröffnet einfach bessere Chancen in der Wirtschaft. Die Meisterprüfung ist heute viel schneller möglich als früher, und studieren kann man hinterher immer noch. Die Ausbildung ist ein Fundament, auf dem alles aufbaut. Deshalb liegt mir unsere Kampagne „Elternstolz“ auch so am Herzen. Auf eine Ausbildung kann man stolz sein!

Was ist Ihr wichtigstes Projekt in diesem Jahr?

Es gibt mehrere. Thema Diesel: Unsere Handwerker müssen ihre Kunden auch weiterhin in den Innenstädten erreichen und versorgen können! Fast ein Drittel aller oberbayerischen Betriebe wären in ihrer Existenz bedroht, wenn sie ihre Dieselfahrzeuge nicht mehr nutzen dürften. Darüber hinaus hat das bayerische Wirtschaftsministerium 2018 zum „Jahr der Unternehmensnachfolge“ ausgerufen. Wir wollen mehr junge Meister ermutigen, in bestehende Betriebe einzusteigen, anstatt neue zu gründen. In den nächsten Jahren werden sich 23.000 Handwerksbetriebe in Bayern mit dem Thema Betriebsnachfolge beschäftigen. Die Betriebsberater der Handwerkskammern helfen ihnen dabei und vermitteln gegebenenfalls zwischen Inhabern und möglichen Nachfolgern.

Was erwarten Sie von der Internationalen Handwerksmesse?

Im Spitzengespräch der Deutschen Wirtschaft möchte ich Bundeskanzlerin Merkel einige wichtige Dinge nahebringen. Die Autoindustrie muss dafür sorgen, dass Dieselfahrzeuge, die sie als sauber verkauft, das auch wirklich sind – und nicht plötzlich umgerüstet werden müssen! Und wenn doch, müssen die Hersteller die Kosten dafür alleine tragen.

Herr Peteranderl, vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Isabel Winklbauer

Unter Kernbohrung oder Kernlochbohrung versteht man in der Baubranche und der Geologie laut Duden „eine ringförmige Bohrung mit einem hohlen Bohrer, mit der ein zylinderförmiger Bohrkern“ aus massivem Material entfernt wird; zum Beispiel aus einer Mauer oder aus Gestein. Der Zweck kann variieren: Durch die Löcher werden anschließend Rohre und Kabel verlegt, oder sie dienen als Öffnungen für Belüftungsanlagen. In der Gebäudekonservierung werden Kernbohrungen genutzt, um die Beschaffenheit eines Bauwerks zu analysieren.

Viele Fachbetriebe beschränken sich nicht auf das Bohren von Löchern durch die dicke Wände, sie sind auch in der Lage, ultrahartes Material zu schneiden. Mit Schneideblättern, die in keinem Baumarkt zu finden sind. „Zu den härtesten Materialien, mit denen wir in den vergangenen zwanzig Jahren immer wieder zu tun hatten, zählen Granit und quarzhaltiger Beton mit Feuersteineinschlüssen“, erzählt Huber.

Das Aufgabenfeld seiner Firma ist vielfältig: Im vergangenen Jahr entfernte er eine mehrstöckige gewendelte Treppe aus einem Wohnhaus in der Spargelmetropole Schrobenhausen – komplett, in einem Stück. „Die haben wir förmlich herausoperiert“, erinnert sich der Firmenschef. Erst wurde sie aus ihren Deckenhalterungen geschnitten, dann per Kran aus einer Öffnung im Dach gehoben.

In der Münchner Residenz haben die Tanderner kürzlich 2,20 Meter tiefe Löcher ins Gemäuer geschnitten – hoch über den Köpfen der im Hofgarten flanierenden Landeshauptstadt-Bewohner. Über den genauen Zweck will sich der 54-Jährige nicht auslassen. Womöglich eine Aussichtsplattform für den neuen Staatskanzlei-Chef und seine Besucher? Huber schweigt eisern.
Aufträge von öffentlichen Institutionen sind übrigens nicht selten in der Kernbohr-Branche. So hat die KBH-Crew Probebohrungen in einem dreihundert Jahre alten, denkmalgeschützten Gebäude der Marktgemeinde Altomünster durchgeführt, um die Standfestigkeit des alten Gemäuers zu prüfen. Eine ähnliche Untersuchung führten sie im Glockenturm der Stadtpfarrkirche im benachbarten Aichach durch. Dabei schnitten die KBH-Mannen auch eine Ziegelwand der Kirche auf, damit Stahlträger eingezogen werden konnten. „Dabei kommen verschiedene Schneidegeräte zum Einsatz“, berichtet Baufachmann Huber.

KBH verfügt über ein ganzes Arsenal an Sägeblättern und Spezialbohrern. Das größte Sägeblatt hat einen Durchmesser von 1,80 Meter, ist aus Edelstahl und mit Diamantkronen bestückt. Die Bohrergröße reicht von 16 Millimetern bis 1200 Millimeter. Natürlich verfügt Huber auch über die nötigen Hebekräne und Transporter. Klar, dass man für den Umgang mit derlei Gerät besonders qualifiziert sein muss. KBH ist Mitglied im Fachverband Bohren und Sägen sowie ein zugelassener Ausbildungsbetrieb. „Bauwerkmechaniker für Beton-, Trenn- und Abbruchtechnik“ heißt der Beruf. Nachwuchs zu kriegen, sei freilich schwierig, trotz der spektakulären Projekte.

Foto: Kramer
Richard Huber kennt sein Werkzeuge aus dem Effeff – hier repariert er eine Bohrerkrone.

Ebenfalls aufwendig und durchaus nicht ungefährlich war die Amputation mehrerer freihängender Balkone eines Mehrfamiliengebäudes. Auch hier war ein Kran notwendig. Und Präzisionsarbeit. Der Beton-Profi betont: „Natürlich ist immer alles doppelt und dreifach gesichert!

Eine ihrer schwierigsten Aufgaben hatten die Huber-Mannen im Münchner Norden zu bewältigen: Die Betonsauna eines Privatkunden, die auf dem Flachdach von dessen Villa platziert war, musste sich in Luft auflösen. Die KBH-Mannschaft sägte das Einhundert-Tonnen-Trumm einfach ab und hob es in handlichen Portionen mit einem Spezialkran herunter.

Die Liste der aufregenden KBH-Projekte ist lang. „Dennoch kennt unseren Beruf kaum jemand außerhalb der Baubranche,“ stellt Huber mit einem gewissen Bedauern fest. Vielleicht, weil viele Laien glauben, dass man zum Löcherbohren nur einen Schlagbohrer aus dem Baumarkt benötigt.

Horst Kramer

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