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75.000 Farben und noch viel mehr

Hightec und saubere Luft – die Lackierhalle des Hebertshauser Fachbetriebs C. Hanek.

Autos werden immer bunter. Ein Streifzug durch die Geschichte der Autolacke bis hin zur modernen Explosion der Farbtöne

 

er die Lackierhalle des Hebertshausener Karosserie- und Lackierzentrums von Christian Hanek betritt, muss eine feine Nase haben, um einen Hauch von Lackduft erschnuppern zu können. „Die Branche hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gewaltig verändert“, erzählt der jugendlich wirkende 41-jährige Firmenchef, der schon mehr als zwanzig Jahre Berufserfahrung vorweisen kann. Die Umweltauflagen hätten den Beruf deutlich gesünder gemacht, erklärt Hanek, „wichtig war die Umstellung auf Wasserlacke.“


Bis weit in die Achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurden auch gesundheitsschädliche Lösemittel eingesetzt, darunter chlorierte organische Verbindungen und sogar Benzol. Mit Schrecken erinnern sich damalige Bewohner des Olympiadorfs noch heute an den beißenden Gestank, den eine Großlackiererei im Westen des Geländes verbreitete.


Autos wurden seit ihren Anfängen Ende des 19. Jahrhunderts mit Farb- und Kunstharzschichten überzogen. Als Erfinder des Lacks gelten übrigens findige Köpfe im alten China, die schon mehrere tausend Jahre vor unserer Zeitrechnung ihre Essstäbchen und Schälchen auf Hochglanz brachten.
Lackieren war mühselige Handarbeit, auch noch zu Zeiten der ersten Autos. Der berühmte Benz Patent-Motorwagen Nummer, das erste Automobil mit Verbrennungsmotor, ist weitgehend in Schwarz gehalten (wie in der Halle 3 des Deutschen Museum Verkehrszentrums zu sehen ist). Die Farb- und Lackschichten – aus Harz, Leinöl oder Terpentinöl – wurden nacheinander mit dem Pinsel aufgetragen. Ein Vorgang, der mehrere Tage in Anspruch nahm, denn jede Schicht musste erst einmal trocknen, bevor mit der nächsten begonnen werden konnte. Erst die von Henry Ford im Jahre 1913 eingeführte Fließbandfertigung machte schnellere Verfahren und schneller trocknende Kunstlacke notwendig.


Neben dem Korrosionsschutz hatte die Autolackierung von jeher schon eine schmückende Funktion, wie frühe Verkaufsstrategen schnell herausfanden. So wurde zu Zeiten der Weimarer Republik der Opel „Laubfrosch“ dank seiner knallgrünen Farbe enorm populär.
In den vergangenen Jahren sind die Farb- und Lackierungsvarianten geradezu explodiert. Werner Willibald, einer der Inhaber des Farben- und Lackgeschäfts Farben Willibald im Dachauer Gewerbegebiet, erinnert sich. „Vor zirka sieben Jahren setzten wir ein Colorcenter (eine Farbmischanlage, d. Red.) ein, in dem die Farbwerte von 28.000 unterschiedlichen Autolackierungen gespeichert waren. Inzwischen sind es schon 75.000.“

Profi in Sachen Karosseriereparatur und Reparatur-Lackierung: Christian Hanek.
Foto: Kramer
Hat mindestens 75.000 Autolackierungen gespeichert: Farbprofi Werner Willibald.
Foto: Kramer
Über mehere Mischanlagen verfügt ein Farben-Spezialgescheft wie dasjenige von Werner Willibald.
Foto:Kramer

Auf die Gretchenfrage – was kann man selber machen, was nicht? – äußert sich der Fachmann zurückhaltend: „Kleine Schäden auszubessern, ist im Prinzip immer möglich. Voraussetzung ist allerdings handwerkliches Geschick und eine gewisse Erfahrung.“ Er untersucht in der Regel zusammen mit den Kunden das beschädigte Fahrzeug, schon um den Farbton ermitteln zu können. Mittlerweile mit einem vollelektronischen Analysegerät, das die Daten an den Mischcomputer weitergibt. „Früher haben wir die Farben mit den berühmten Farbkarton ermittelt.“ Wenn Willibald dabei Dellen oder Beulen feststellt, oder einen sehr langen Kratzer, rät er zum Besuch einer Fachwerkstatt.  So wie die von Hanek zum Beispiel. Der verfügt ebenfalls über eine PC-gestützte Mischbank, allerdings deutlich größer als die des Farbenhändlers. Wie viele Farbtöne er mixen kann? Hanek zuckt mit den Schultern: „Die Grenze ist nach oben offen.“ Jedes Jahr kämen neue Farbtöne hinzu.


In der großen Lackierhalle sind zwei topmoderne Spritz- und Trocknungs-Kabinen für Personenkraftwagen installiert. „So können wir parallel an zwei Fahrzeugen arbeiten“, erläutert Hanek. Auf der anderen Seite der Halle ist eine riesige teilbare Spritz- und Trocknungs-Anlage für Lastkraftwagen und Großbusse eingebaut.


Seine Lackierermeister und -gesellen lieben indes besonders die individuellen Aufträge und Sonderlackierungen. Im vergangenen Jahr haben sie einen eleganten BMW aus den frühen 1970er-Jahren restauriert und einen Käfers, der vor über 60 Jahren vom Wolfsburger Band gelaufen ist. „Die damaligen Farbtöne sind nicht mehr auf dem Markt“ sagt Hanek. Deswegen seien solche Projekte „das Salz in der Suppe eines Lackierers“, setzt er mit einem Lächeln hinzu.

Horst Kramer
 

„Auf eine Ausbildung
kann man stolz sein!“

 

Franz-Xaver Peteranderl, Präsident der Handwerkskammer München und Oberbayern

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