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Karrierestart in der Post

 

Das „Nachwuchs-Brettl“ will Bühnen-Talente fördern

 

Schwabhausen – 6745 Einwohner, 15 Ortsteile. Nix los auf den ersten Blick. Die Gemeinde sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen Mitarbeiter für den Bauhof. Die Äpfel von öffentlichen Streuobstwiesen, teilt die Gemeinde auf ihrer Homepage ferner mit, können auch gerne gepflückt und gesammelt werden. Zum Beispiel in der Margeritenstraße oder in der Karl-Feulner-Straße. Damit sich die Pflücker auch in den nächsten Jahren an den Früchten erfreuen könnten, sollte dies „baumschonend“ geschehen. Nicht viel los in Schwabhausen? Weit gefehlt. Denn in Schwabhausen sollen künftig ganz andere „Früchte“ wachsen, gedeihen und erblühen, wenn es nach dem Wirt des Gasthauses zur Post, Heinrich Kellerer (57), geht. Nicht auf den örtlichen Streuobstwiesen, sondern auf der Kleinkunstbühne der Post. Es geht um die Stars von morgen am Comedy-, Kabarett- und Musikkabarett-Himmel.

 

Verborgene Talente gibt es überall: in der Stadt, auf dem Land und im Hinterland. Und hoffentlich auch im Landkreis Dachau, hofft Kellerer. Und wer in sich schon immer den Künstler oder die Künstlerin spürte, oder wen es schon immer auf die „Bretter, die die Welt bedeuten“, gezogen hat, oder wer sich dort versuchen wollte, war bislang doch eher auf den glücklichen Zufall angewiesen, dass er entdeckt wurde. Das soll nun ein Ende haben. Karrieren können künftig im Dachauer Hinterland gestartet werden. Zum Beispiel im Bereich Comedy, Kabarett und Musikkabarett. „Wir möchten jungen Künstlern die Chance geben, ihr Können zu zeigen“, sagt der Post-Wirt, der sich zum Anliegen gemacht hat, dem Nachwuchs eine Bühne zu bieten beim geplanten „Nachwuchs-Brettl“ der Post, das mit Unterstützung der Dachauer SZ auf die Beine gestellt werden soll. Gedacht ist an Kurzauftritte von etwa zehn Minuten bis zu einer Viertelstunde. Start ist im Januar beziehungsweise im Februar 2019. Und wer dann vom Publikum den größten Applaus bekommt, der hat gute Chancen, den Publikumspreis einzuheimsen, der mit 300 Euro dotiert ist. Und damit das „Nachwuchs-Brettl“ auch beim Publikum seine Anziehungskraft nicht verfehlt, ist Kellerer auf der Suche nach einem prominenten Paten. Gefunden hat er ihn in Michael Well von der Biermösl-Blosn, der durch das Programm führen und selbst einen Kurzauftritt haben wird. Anmelden können sich die Comedy-Stars von morgen unter: www.gasthaus-zur-post@t-online.de.

 

Bevor man sich jedoch selbst mit Lampenfieber auf die 25 Quadratmeter große Kleinkunstbühne in dem circa 300 Personen fassenden Großen Wirtshaussaal wagt, kann man sich schon mal anschauen, wie es zum Beispiel Philipp Weber mit seinem Programm „Weber Nr. 5 – Ich liebe ihn“ macht. Sein Programm ist „ein feuriger Schutzwall gegen jegliche Versuche der Manipulation“. Eine heitere Gebrauchsanweisung für den freien Willen. Weber tritt am 4. November um 20 Uhr auf. Anregungen kann man sich auch bei „Helge und das Udo“ holen, die ihr Programm  mit dem Titel „Ohne erkennbare Mängel“ am 2. Dezember aufführen.

Damit werden auch jene Gerüchte Lügen gestraft, die kürzlich die Runde machten und nicht nur das Ende der Post, sondern auch das Ende des Kleinkunstprogramms streuten. Heinrich Kellerer: „Richtig ist, dass wir das Kleinkunstprogramm und unsere Pension weiterführen werden. Den Gasthof bestimmt auch noch in den nächsten Jahren. Falsch ist, dass wir demnächst schließen.“ Basta!

 

Seit dem Jahr 2005 werden in der Schwabhauser Post die Kleinkunst und das Kabarett gepflegt. Eine Geschichte, die sich „so ergeben hat“, sagt Kellerer. Denn ursprünglich haben irgendwelche Veranstalter in den 1990er-Jahren einen Saal gesucht, zum Beispiel für die Schwabhauser Rocknacht oder die Blechblosn. Daraus entstand bei Kellerer, der schon immer ein Freund der Kleinkunst und des Kabaretts war, die Idee, es selbst zu versuchen. Und seit Gründung der Kleinkunstbühne hat sich so ziemlich alles, was in der Kabarett- und Comey-Szene in Bayern Rang und Namen hat, in Schwabhausen ein Stelldichein gegeben: Gerhard Polt, Helmut Schleich, Monika Gruber, die am Anfang ihrer Karriere dreimal in der Post aufgetreten ist, oder Sascha Grammel, der Comedian, Bauchredner und Puppenspieler. Kellerer: „Den haben wir 2010 per Zufall bekommen, weil er in Bayern noch nicht so auf dem Radar war.“ Schicksal der Post: Die ganz Großen kommen nicht mehr. Wohl nicht, weil sie nicht mögen, sondern, weil sie jetzt meist vor mehreren Tausend Menschen auftreten – das ist der Lauf der Dinge. Aber auch die Post mit ihren 300 Plätzen will erst einmal gefüllt werden. Eine wesentliche Stütze dabei: das Jahresabo, das Kellerer den Kleinkunstfreunden seit zehn Jahren anbietet. Jeder der 120 Abonnenten hat, neben dem finanziellen Vorteil, auch ganzjährig seinen festen Platz. „Die beste Idee, die wir hatten“, sagt Kellerer auch im Hinblick auf die Veranstaltungskosten und die Besucherzahlen.    

Rk

Die Couplet-AG.
Foto: Privat

Streckenlänge: 29,9 Kilometer, Spurweite: 1435 Millimeter Normalspur, Stromsystem: 15 kV 16,7 Hz, Höchstgeschwindigkeit: 80 Kilometer pro Stunde. Geschwindigkeitsrekorde waren es nicht, die die S-Bahnlinie S2 zwischen der Großen Kreisstadt Dachau und Altomünster, der Endstation, bekannt machten. Eher schon, dass die Bahn, die seit 1913 als Bockerlbahn, Bummerlbahn oder auch besser bekannt als die Ludwig-Thoma-Lokalbahn durch das Dachauer Land fährt, beziehungsweise zuckelte, dem Schriftsteller als literarische Vorlage für sein Stück „Die Lokalbahn“ diente und sie über die Grenzen Dachaus hinaus bekannt machte.

 

Denn die Höchstgeschwindigkeit betrug damals zunächst lediglich 40 Stundenkilometer auf der Strecke, auf der täglich drei Personenzugpaare (in der Früh, mittags, abends), verkehrten. An Sonn- und Feiertagen wurde ein viertes Zugpaar eingesetzt. Die Reisezeit der Personenzüge mit Güterbeförderung lag bei etwa 80 Minuten. Die Züge wurden ausschließlich mit Wagen der vierten Klasse bestückt. 1928 wurde diese in den Zügen abgeschafft. Seitdem fuhr die Lokalbahn mit Wagen der dritten Klasse. „Holzklasse“ hin oder her: Schon immer stellte die Bahn von Dachau nach Altomünster eine wichtige Ver- und Anbindung ins Dachauer Hinterland dar – einerseits zum Transport von Gütern und Waren und für den Personentransport. Zur Zeit der Münchner Räterepublik im Jahr 1919 war die Lokalbahn außerdem ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor für die Revolutionsregierung. Denn das in der Papierfabrik in Dachau gedruckte Geld konnte ohne große Umwege direkt von Dachau nach München transportiert werden. Bedeutung hatte die Bockerlbahn auch für den Güterverkehr mit landwirtschaftlichen Produkten (Getreide, Milch, Vieh), Kohle, Baustoffen, Futter- und Düngemitteln. Der Güterverkehr wurde allerdings bereits vor dem Umbau der Bahnstrecke im Jahr 1982 größtenteils eingestellt. 

Seit der Umstellung auf elektrischen Betrieb kommen Fahrzeuge der Reihe 423 zum Einsatz. In der Hauptverkehrszeit werden diese verstärkt durch modernisierte Züge der Reihe 420, dem klassischen S-Bahn Triebzug aus den Anfängen der Münchner S-Bahn. Ein Zug dieser Reihe ist hier auf dem Weg nach Dachau. Im Hintergrund Markt Indersdorf mit dem Kloster.
Foto: Christof Hofbauer

Take the „A“-Train

 

Literaturvorlage und elektrischer Nachzügler: Die Geschichte der Lokalbahn von Dachau nach Altomünster

Die Geschichte der Bahn beginnt Ende des 19. Jahrhunderts. Beschlossene Sache war es, das Dachauer Hinterland durch eine Eisenbahnstrecke zu erschließen. Die Strecke ins Dachauer Hinterland sollte abgehend von der Strecke München–Ingolstadt gebaut werden. Auch aus diesem Grund wurde schon 1893 ein Eisenbahn-Comité gegründet, das den Bau einer Lokalbahn nach Altomünster forderte. Was den Altomünsterern recht war, war den Indersdorfern billig. Auch sie forderten 1898 einen Anschluss ihres Ortes an die Eisenbahnstrecke. Für die Trassierung gab es  verschiedene Vorschläge und Planungen: Anbindung von Altomünster über Schwabhausen und Erdweg ab dem Bahnhof Dachau oder eine Verbindung von Markt Indersdorf, abgehend ab Hebertshausen. Nur: Die jeweiligen Gemeinden konnten sich nicht auf die eine oder andere Trassenführung einigen. Die Folge: ein Kompromiss, in dem sich der heutige Verlauf der Trasse widerspiegelt. Erst, so die Beschreibung im Weblexikon, „führt sie nach Westen bis Schwabhausen, anschließend weiter nach Norden bis Indersdorf, zuletzt im Glonntal wieder in Richtung Südwesten bis Erdweg. Von dort erreicht die Strecke in nordwestlicher Richtung Altomünster.“ Dies resultierte bei einer Entfernung von knapp 20 Kilometern Luftlinie zwischen Dachau und Altomünster in einer Streckenlänge von 29,9 Kilometern. Der Bau der Eisenbahnverbindung begann um die Jahreswende 1910/1911. Am 8. Juli 1912 wurde zunächst der Abschnitt Dachau–Indersdorf und am 18. Dezember 1913 die Gesamtstrecke bis Altomünster als Dachauer Lokalbahn in Betrieb genommen. Die Baukosten betrugen 1.826.021 Mark, so die Aufzeichnungen. Besonderes Merkmal der Eisenbahnstrecke waren die jeweiligen Empfangsgebäude, die nach einheitlichem Muster, aber in verschiedenen Größen errichtet wurden. 

Heute gehört die Bahnstrecke Dachau–Altomünster zum Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV). Sie bildet einen Ast der Linie S2 der S-Bahn München und verbindet die Stadt Dachau an der Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt–München mit Altomünster. Wichtigste Zwischenstationen der S2 nach Altomünster sind die Begegnungspunkte Schwabhausen und Erdweg. Bis zur Elektrifizierung der Strecke im Jahr 2014 war sie die einzige nicht elektrifizierte Strecke der S-Bahn München und wurde als Linie A bezeichnet, die im Stundentakt bis April 1914  von Dachau nach Altomünster verkehrte. Bedient wurde die Strecke von Dieseltriebwagen der Baureihe 628, bei einer Reisezeit von 41 Minuten von Dachau nach Altomünster. Als großes Problem stellte sich freilich die große Anzahl an Bahnübergängen dar, die höhere Geschwindigkeiten für die Züge nicht zuließen. Von den insgesamt 43 Bahnübergängen waren lediglich zehn technisch gesichert. Um 1993 existierten noch 37 Bahnübergänge, davon 23 ohne technische Sicherung. Die Fahrgastzahlen von und nach Altomünster lagen zwischen 1982 und 1992 bei etwa 500 pro Tag, Indersdorf passierten täglich etwa 1400 Reisende, Dachau Stadt etwa 1800 Fahrgäste.

 

Die große Stunde der Lokalbahn schlug am 14. Dezember 2014. An diesem Tag wurde der  elektrische Betrieb der S2 auf der Strecke aufgenommen. Zur Hauptverkehrszeit verkehrten die Züge der S2 Altomünster. Das Angebot wurde zur Hauptverkehrszeit im Halbstundentakt, die Zahl der täglichen Züge von 38 auf 57 angehoben.  Die Fahrzeit zwischen Dachau und Altomünster und umgekehrt verkürzte sich auf durchschnittlich 34 Minuten. Mit der Einführung des MVV-Verbundtarifs zum 28. Mai 1972 im Jahr der Olympischen Spiele wurde die gesamte Strecke in den MVV integriert. Das Angebot wurde auf zehn Zugpaare ausgeweitet, davon eines nur bis Indersdorf. Diese Verbesserungen verfehlten ihren Zweck nicht: Die S-Bahn Linie 2 nach Altomünster fährt schneller als die frühere Bockerlbahn und ist mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Und wenn man sich in die S-Bahn setzt, die Augen schließt, dann kommt man sich vor wie anno dazumal der Schriftsteller Ludwig Thoma, dem die Bahn ihren weiteren Namen verdankt. 

 

In der Politik freilich denkt man längst über die Lokalbahn hinaus. In einem Zukunftspapier der acht Landräte aus dem Münchner Umland, das mit „Visionen 2050“ überschrieben ist, gibt es Überlegungen, die S-Bahn auch über die Landkreise hinaus zu führen. So gibt es jetzt erstmals Überlegungen, eine Verbindung über Altomünster nach Aichach zu schaffen und von Petershausen weiter nach Norden, nach Pfaffenhofen an der Ilm. Sogar eine völlig neue Linie von Karlsfeld nach Odelzhausen und weiter nach Dasing ist in den Visionen vermerkt. Realisierung offen. Rk